Bhutan: Mit dem Fahrrad im Land des Donnerdrachen

Das Glück als Staatsziel, das Glück auf dem Fahrradsattel

 
Trashigang  

Einmal Trashi Yangtse und zurück

 

Ich rase die acht Kilometer wieder hinunter zur Brücke über den Drangme Chhu und zum Polizeiposten. Dann biege ich auf die Straße nach Norden zum Distrikt Trashi Yangtse ab. Anfangs ist die Strecke durch Bauarbeiten ziemlich kaputt, wird dann aber für einige Kilometer bis Duksum wieder besser. Ich erkunde das Klostergelände von Gom Kora, wo gerade auf dem Versammlungsplatz eine Unterrichtseinheit des Lamas stattfindet. Der Tempel geht auf einen Meditationsplatz von Guru Rinpoche zurück. Es ist ein sehr heiliger und wichtiger Pilgerort für die Buddhisten Bhutans.

Der große Fluss, die grünen Bäume, die goldenen Dächer der Tempelgebäude und die roten Roben der Mönche – eine äußerst fotogene Kulisse. Nach einer Stunde schwinge ich mich wieder auf den Sattel. Gleich bei Duksum führt die Straße steil und in einigen Serpentinen den Hang hoch und nach Nordwesten ins Kulong-Tal. Je weiter ich talaufwärts fahre, desto dichter wird die Vegetation wieder. Bei Duksum gab es nur einzelne Kiefern und Dornengebüsch an den Hängen. Jetzt sehe ich viele Rhododendren, Magnolien und Eichen.

Zahlreiche Bergbäche kommen zu meiner Rechten den Hang herunter. Aus den Felsen, die häufig auch überhängend sind, fliegen manchmal auch Wildbienen heraus. Eine von ihnen schafft es auch, mich zu verfolgen und in die Schulter zu stechen. Die Straße ist teilweise sehr schmal und in die Felswand hinein gefräst.

Am Nachmittag erreiche ich den alten Dzong von Trashi Yangtse, dann den alten nepalesischen Stupa unterhalb des Dzongs und wenig später den großen Stupa von Chorten Kora. Hier pausiere ich und mache viele Fotos. Anschließend breche ich zu einer kleinen Erkundungsfahrt durch das Kleinstädtchen Trashi Yangtse auf, das sich in einem weiten Talkessel verteilt. Am späteren Nachmittag entschließe ich mich, doch schon wieder zurückzufahren. Die Alternative, hier im Ort ein lokales Hotel zu suchen, finde ich nicht so attraktiv. So schaffe ich es auf der Strecke zurück bis zu jener kleinen wasserbetriebenen Gebetsmühle am Straßenrand, wo ich heute zu Mittag gegessen hatte. Eine ebene Zeltfläche auf grüner Wiese mit frischen Wasser und oberhalb der Straße gelegen. Mehr brauche ich heute nicht mehr.

Am Morgen werde ich von Waldarbeitern geweckt, die hier von einem Auto abgesetzt wurden und nun ihre Sägen schärfen, bevor sie im oberhalb liegenden Hang verschwinden. Sie sind neugierig und setzen sich alle um den Zelteingang. Die weitere Fahrt nach Duksum und an Gom Kora vorbei verläuft größtenteils talabwärts und vergeht schneller als gedacht. Insgesamt sind es von Trashi Yangtse bis zur Brücke über den Drangme Chhu nur 44 Kilometer.

Zwei Abschnitte zurück nach Westen

Am frühen Morgen um fünf Uhr fährt mein Bus nach Jakar los. Das Fahrrad und die Packtaschen werden wieder auf dem Dachgepäckträger festgezurrt. Ich habe Glück und bekomme den Beifahrersitz. So kann ich die gesamte Strecke, die ich mit Muskelkraft bewältigt habe, noch einmal Revue passieren lassen. In Jakar bleibt der Bus über Nacht auf dem großen Busparkplatz stehen. Alle Passagiere verabschieden sich in keine lokale Hotels oder zu Verwandten im Ort. Am nächsten Morgen geht die Busfahrt weiter nach Thimphu, wo ich jedoch noch nicht ankommen möchte – ich habe noch zwei Tage im Kalender. Deshalb lasse ich mich auf dem Pele La zwischen Trongsa und Wangdue aussetzen.

Ich radle ins Phobij-Tal und zur Ortschaft Gangtey, schaue mir das dortige Kloster und den hübschen Ort an, fotografiere viele rote, gelbe, rosa und weiße Rhododendren und bin drei Stunden später wieder auf der großen Ost-West-Hauptstraße. Vom Pele La auf 3396 Meter Höhe habe ich eine grandiose Abfahrt hinunter auf 1479 Meter nach Samtengang. Dann sind es nur noch acht Kilometer bis Wangdue, wo ich wieder zu dem Hotel fahre, in dem ich im vergangenen November war. Am nächsten Morgen bin ich früh auf dem Sattel, damit ich vor zehn Uhr an der Baustellenstraßensperrung bei der Auffahrt zum Dochu La vorbei bin. Sonst muss ich bis 12 Uhr auf der Strecke warten. Das schaffe ich aber auch nur mit Mühe. Auf dem Pass lehne ich das Fahrrad am Parkplatz gegen einen großen Betonklotz und gehe mit der Kamera spazieren. Die 20 Kilometer hinunter zum Hotel in Thimphu sind schnell erledigt. Ich steige wieder im Migmar Hotel ab, sortiere meine Ausrüstung und nehme ein ausgedehntes Bad. Am späten Nachmittag des nächsten Tages treffe ich wieder im Tiger’s Nest Resort bei Paro ein.

Trashigang