Bhutan: Mit dem Fahrrad im Land des Donnerdrachen

Das Glück als Staatsziel, das Glück auf dem Fahrradsattel

 
Paro  
Punakha

Geburtstagsfeier in der Hauptstadt

 

Ich radle von Paro rasch hinaus. Es geht immer stetiger talabwärts im Tal des Paro Chhu. An der Brücke bei Chhuzom mache ich den ersten Stopp und kaufe mir einen Beutel frische Mandarinen. Ein Polizist sieht mich und stellt neugierige Fragen über mein Mountainbike. Er ist selber begeisterter Mountainbiker und kennt viele gute Strecken rund um Thimphu. Aber mit so viel Gepäck hat er ein Fahrrad noch nicht gesehen. Er interessiert sich weder für mein Visum noch für meine Route. Er ist nur an der Technik interessiert und will wissen, ob ich einen Motor in der Hinterradnabe hätte. Er meinte, er hätte davon gelesen, dass es jetzt Fahrräder mit Elektromotoren gäbe, er selbst habe aber leider noch keines live gesehen. Ich muss ihn da jedoch enttäuschen, da meine Nabe „nur“ ein 14-Gang-Getriebe beinhaltet.

Die Strecke nach Norden verläuft relativ einfach und nach etwa 30 Kilometern erreiche ich die vierspurige Straße ins Zentrum der Hauptstadt. Heute ist der 11. November 2014, der 60ste Geburtstag des vierten Königs. Es gibt große Feierlichkeiten in der Stadt und überall im ganzen Land. Die größte Feier ist im Nationalstadion von Thimphu. Dieses Stadion hat etwa 15.000 Sitzplätze, gekommen sind aber schätzungsweise 50.000 Menschen, um die Parade der verschiedenen Volksgruppen mit ihren Trachten, die Schülergruppen mit ihren Liedern und Tänzen und die Gruppen mit historischen Uniformen zu sehen.

Die Stadt ist voll mit Menschen aus dem ganzen Land, überall wuselt es, überall ist Festtagsstimmung. Ich bin erstaunt über die Freundlichkeit der Bhutaner gegenüber mir als Ausländer. Selbst wenn ich Fotos von ihnen machen möchte, drehen sie sich nicht weg oder verneinen. Im Gegenteil, sie streichen ihre Bekleidung glatt und stellen sich in Pose. Eine unglaubliche Gelassenheit und Fröhlichkeit zeichnet sich in allen Gesichtern ab. Ob Jung oder Alt, alle sind gekommen, um den König und seine Familie hochzuleben. Die Königsfamilie ist bei den Bhutanern nicht nur beliebt, sie ist Kern des eigenen Staatsverständnisses und der Grund für das Glück im ganzen Land.

Paro  
Punakha