Bhutan: Mit dem Fahrrad im Land des Donnerdrachen

Das Glück als Staatsziel, das Glück auf dem Fahrradsattel

 
Haa  
Nebelwälder Ost-Bhutans

Zurück in Bumthang

 

Die Fahrt nach Osten ist etwas länger als geplant, weil kurz hinter dem Pele La eine Blattfeder des vollbeladenen Busses an der Hinterradachse bricht. Der Busfahrer und sein Helfer bocken das Fahrzeug mit großen Holzklötzen und Eisenstangen so weit auf, dass sie das komplette Rad entfernen können. Dann machen sie sich an die Reparatur der Blattfeder. Offensichtlich ist selbst für so ein Fall immer Ersatzmaterial im Bus. Statt um 18 Uhr kommen wir um 22 Uhr in Jakar an. Ich hole mein Fahrrad vom Dach des Busses, montiere die Pedale wieder an die Tretkurbeln, hänge die Packtaschen in die Träger und radle durch die Dunkelheit zum Hotel, wo mich der Besitzer schon freudig erwartet.

Der nächste Morgen ist sonnig und trocken. Ich belade mein Fahrrad und verabschiede mich von Dawa für die nächsten 18 Tage, bis ich wieder nach Jakar zurückkommen werde. Die Fahrt geht für die ersten elf Kilometer auf dem mir schon bekannten Abschnitt, auf dem ich im November in Richtung Tang-Tal gefahren war. Danach windet sich die Straße den Hang hoch zur Ortschaft Tangsibi und 38 Kilometer nach Jakar stehe ich auf dem Ura-Pass (3581 Meter). Mit einer winddichten Jacke mache ich mich an die rasante Abfahrt ins Ura-Tal, dem östlichsten der vier Bumthang-Täler. Das Dorf Ura liegt in einem Talkessel unterhalb der Asphaltstraße und wird von einem großen Tempel dominiert.

Direkt an der Straße gibt es nur einzelne Bauernhäuser, eine kleine Herberge mit Imbiss-Lokal und die Parkverwaltung des Thrumshingla-Nationalparks. Ein kalter Wind ist inzwischen aufgekommen. Da ich ja gerade eine rasante Abfahrt hinter mir habe und nicht noch weiter auskühlen möchte, rolle ich weiter talabwärts, komme in eine kleine Schlucht und tauche in einen dichten Tannenwald ein. Aber schon bald ist der Abfahrtsspaß vorbei und es geht wieder den Hang hoch. Wie ich aus meiner Landkarte entnehmen kann, wird der vor mir liegende Pass der zweithöchste des Landes sein (nach dem Chele La), was ich niemals bis zur Dämmerung schaffen werde. Deshalb suche ich mir frühzeitig einen passenden Zeltplatz. Letzteres ist gar nicht so einfach an diesem steilen Berg.

Haa  
Nebelwälder Ost-Bhutans