Ein Winter in Kirgistan

Radtour zwischen Hochgebirge und Meer

Dezember 2014
 
   

Zentralasien, Kirgistan. Wie ist es da wohl im Winter? Nach der Wintertour auf dem Baikalsee beschäftigte mich dieser Gedanke immer wieder. Die weiten Landschaften zentralasiatischer Steppen kenne ich ja auch schon von einer lange zurückliegenden Radtour durch die Mongolei. Die trockenen Kälte, das mag ich sowieso. Und auch die Berge und Steppen Zentralasiens faszinieren mich. So kam der Gedanke, einfach mal ausprobieren, wie es denn so ist, im Winter in Zentralasien, in Kirgistan. Als Thema für meine winterliche Tour in Kirgistan nahm ich mir vor, den Issyk Kul, das "Herz" des Tien Shan zu umrunden, und anschließend nich für ein paar Tage mit den Schneeschuhen in die Berge zu gehen.

Start in Bishkek

Start und Ende der Tour war die Hauptstadt Kirgistans, Bishkek. Eine aus der Sovjetzeit geprägte Stadt, gerade im Winter nicht besonders hübsch, eher Betonbauten grau in grau. Schön aber immer wieder der Basaar mit großer Auswahl an Nüssen, Fladenbrot und anderen Lebensmitteln, sowie allen möglichen und unmöglichen Dingen die man (nicht) braucht.

Etwas befrendlich die "Weihnachtsstimmung" in dem moslemischen Land, dies muss auch noch ein Überbleibsel aus soviejtischer Zeit sein. In fast allen größeren Städten steht auf dem zentralen großen Platz ein bunt geschmückter Weihnachtsbaum, und auf dem Basaar gibt es auch eine Auswahl an Lametta, Christbaumkugeln oder künstliche Plastik-Weihnachtsbäume für Zuhause.

Um den Issyk Kul

Beginnend in Balykchy entschloss ich mich für eine Umrundung am Südufer nach Karakol zu fahren und anschließend am Nordufer wieder zurück. Verkaufsstände entlang der Straße bieten manche Leckerei:

Die gesamte Strecke um den Issyk Kul ist asfaltiert und war weitgehend schneefrei. Es ließ ich recht gut fahren, mal abgesehen von einigen Abschnitten mit besonders grober Oberfläche, oder mit vielen Schlaglöchern. Rund um die in den See mündenden Bäche und Flüsse gab es natürlich immer einige Höhenmeter extra zu bewältigen, wenn man in das Flusstal hinab und auf der anderen Seite wieder hinauf fahren musste.

So richtig winterlich war es zunächst nicht. Die Sonne wärmte tagsüber auf fast 10°C und auch der See war nicht zu kalt für ein kurzes Bad :-). Erst in der Nähe von Karakol wurde es dann richtig kalt und die Landschaft lag unter einer Schneedecke.

Im Kungej-Alatau

Mit dem Rad fuhr ich von Balykchy die Chong-Kemin Schlucht hinen und schlug mein Basislager am Fuße der Berge in der Nähe eines der Dörfer auf. Für drei Tage unternahm ich Tageswanderungen mit den Schneeschuhen.

Der Schnee war ein knietiefes, absolut trockenes, feines Pulver. Mit den Schneeschuhen kaum zu greifen, es gab trotz vergrößerter Oberfläche und Harscheisen fast keinen Halt. Es war extrem schwer, in diesem Schnee bergauf zu laufen.

Trotz der Schwierigkeiten konnte ich auf den Wanderungen wichtige Erfahrungen sammeln und kann mir vorstellen, die Berge des Tien Shan einmal wieder zu besuchen, vielleicht dann im Sommer.